Sudan-News

Volksabstimmung im Sudan
Nach sudanesischen Medienberichten plant der sudanesische Präsident Omer al-Baschir nach dem Referendum über eine Unabhängigkeit des Süd-sudan eine Auflösung der Regierung. Alle Kabinettsminister, Abgeordnete, und Richter aus dem Süd-Sudan würden dann ihre Posten verlieren. Die sudanesische Zeitung Al-Sahafa berichtet aus Regierungskreisen, dass die Oppositionskräfte im neuen Regierungskabinett vertreten werden sollen.
Nach den ersten Ergebnissen der historischen Volksabstimmung im Sudan, haben 99 Prozent der Wähler für die Unabhängigkeit entschieden.

Beobachter und Opposition haben die Wahl im Sudan zumindest teilweise legitimiert

Tatsächlich haben sowohl westliche Regierung durch die Entsendung von Wahlbeobachtern als auch die SPLM durch die Teilnahme an teilen der Abstimmung den umstrittenen Urnengang zumindest teilweise legitimiert: Beide wollten das 2005 zwischen der SPLM und Al-Baschir Regierung geschlossene Friedensabkommen nicht gefährden. Dies sieht ein Volksentscheid im kommenden Januar vor. Dabei soll der Süden darüber entscheiden, ob er sich vom Rest des Landes abspalten will. Während sich der vor fünf Jahren verstorbene SPLA- Führer John Garang für die Einheit des Sudans einsetzte, gilt sein Nachfolger Salvar Kiir als entschiedener Verfechter einer Abspaltung. Insider befürchten von einer Separation des christlich dominierten Südens ein Wiederaufflammen des Bürgerkrieges. Die Teilung gilt schon allein deshalb als äußerst prekär, weil noch immer nicht die genaue Grenzziehung in der erdölreichen Unity- Provinz sowie die Aufteilung der Gewinne aus dem Ölexport feststehen. Außerdem drohen andere Regionen wie Darfur mit einer Abspaltung: dem multikulturellen und religiösen land könnte so ein Schicksal wie dem ehemaligen Jugoslawien bevorstehen. bei Al-Baschir Wahlsieg handele es sich um einen klassischen Pyrrhus- Sieg, sind Sudan- Kenner deshalb überzeugt.
Frankfurter Rundschau, 27.04 2010